Die Suche nach dem vermeintlichen Glück – Teil 1

Liebe Freunde, ich möchte heute ein paar Worte zum Thema Glück verlieren.

Für viele ist persönliches Glück ein wichtiges Thema und die Zeitschriften sind voll mit klugen Ratschlägen und einfachen Anweisungen dafür. So helfen etwa ein aktives soziales Netzwerk, Gesundheit, mehr Entspannung und eine positive innere Einstellung bei der vermeintlichen Suche. Man muss aber kein ausgewiesener Glücksforscher sein, um erkennen zu können, dass diese Ansätze zu einer besseren und erfüllteren Zeit führen werden. Es sind schließlich Grundvoraussetzungen, aber nicht nur für Glück, sondern ganz allgemein für ein menschenwürdiges Leben.

Wenn ich genauer nachfrage, was Menschen denn davon abhält glücklich zu sein, höre ich von meinen Klienten immer wieder sinngemäß: „Glück/Freiheit/… oder Geld – beides geht nicht“, „lieber beständig zufrieden als kurzfristig glücklich“ oder „es ist besser sich die Frage nicht zu stellen, sondern das Leben so zu nehmen wie es kommt“. Diese und andere Aussagen zeigen mir immer wieder, dass viele von uns gar nicht genau wissen was ein Leben voll überfließendem Glück wirklich bedeuten kann. Wie auch, wenn wir ein Leben lang fremde Denkmuster vorgelebt bekommen und uns abends von Hollywood inszenierten unrealistischen Beschreibung von Glück leiten lassen. Input = Output…

Wie jedes andere Ziel, dass man nicht genau benennen kann, unerreichbar ist, so wird auch dieses wabernde, nicht näher bestimmte Glücksthema, „das sich doch jeder wünscht“, für uns unerreichbar bleiben. Lasst uns anfangen eine klare Sprache zu sprechen.

Was genau suchst Du?

Dabei helfen uns zuerst einige kurze Begriffsdefinitionen, damit wir auch wirklich vom selben sprechen. Die deutsche Sprache bietet dafür eine wundervolle Grundlage:
Glück (aktiv, kurzlebig) ~ Glück ist flüchtig. Es ist ein momentaner Hoch-Zustand, zum Beispiel beim Erreichen eines wichtigen Geschäftsabschlusses oder dem Treffen einer neuen PartnerIn. Unser Gehirn schüttet in diesen Situationen vor allem den Botenstoff Dopamin (und bei körperlicher Anstrengung auch Noadrenalin) aus. Die Schattenseite ist, dass diese Art von Glück süchtig machen kann und so ein regelrechtes Rennen nach dem nächsten Kick entsteht. Erschwert wird das Ganze noch zusätzlich – analog des Drogenkonsums – dadurch, dass Intensität und Wirkung der einzelnen Kicks gefühlt immer weiter abnehmen.
Zufriedenheit (passiv, langlebig) ~ Sie entsteht, wenn wir unsere grundlegenden persönlichen Bedürfnisse, auf Dauer, weitgehend befriedigen können. Hier wirken vor allem beruhigende Botenstoffe, wie Endorphin oder Serotonin auf unseren Körper ein. Daher bekomme ich oft auch als Antwort, dass Menschen nicht nach Glück, sondern Zufriedenheit streben. Im Grunde ein guter Ansatz, allerdings verwechseln viele Menschen Zufriedenheit gerne mit Genügsamkeit und erliegen ihren „Fast-Wahrheiten“.
Flow (aktiv, kurzlebig) ~ Mit einem Flow-Zustand meint man das Gefühl während einer Aktivität, „Eins-zu-Sein“ mit allem. Der renommierte Glücksforscher, Prof. Mihaly Csikszentmihalyi, beschreibt dafür vier Rahmenbedingungen: Die Aktivität muss klare, erreichbare Ziele haben, eine unmittelbare Rückmeldung geben, eine bewältigbare Herausforderung darstellen und ein hohes Maß an Konzentration erfordern. Durch das intensive Glückserlebnis schaltet sich der präfrontale Kortex im Gehirn ab, der u.a. für langfristige Planung, Zeitempfinden und emotionale Bewertung verantwortlich ist.
Glückseligkeit ( – , langlebig) ~ Die Fähigkeit seinem Leben Wert und Sinn zu geben. Aristoteles definiert es als höchste Ziel, da Glückseligkeit absolute Vollendung besitzt und es nur um seiner selbst willen erreicht werden kann. Im Gegensatz zu Geld, Einfluss, die nur zur Erreichung anderer Ziele benötigt werden. Auf die Frage, wie man dorthin gelangt, antwortet er sinngemäß: indem ein Mensch der Tätigkeit oder Tugend nachgeht, für die er die meiste Leidenschaft verspürt. Die tantrische Tradition besagt sogar, dass wahres erleben von Glückseligkeit (ānanda), den Suchenden unweigerlich zu dem Verständnis von Sein (sat) und Bewusstsein (cit) führen wird, ihn also zur Erleuchtung führt.

Was ist es also, das wir suchen?

Was ist es also, das uns vorschwebt. Für die allermeisten wird das ein zufriedenes Leben mit einem/r PartnerIn, Freunden, einem guten Job und einigen wertvollen Glücksmomenten sein. Vielleicht ein wundervolles Hobby, dass einem immer mal wieder schöne Flow-Momente beschert? Wenn das auch dein Ziel ist: Wundervoll! Ich beglückwünsche dich, Du hast ein hehreres (und klares) Ziel vor Augen, an dem trotzdem so viele von uns scheitern. Gerne begleite ich Dich ein Stück auf diesem Weg, um Dir noch den ein oder anderen Tipp mit auf den Weg zu geben.

Im 2. Teil dieses posts stelle ich die These auf, warum die meisten Menschen überhaupt nicht „wahrhaftig“ Glücklich-sein wollen. Und ich beschreibe meinen ganz persönlichen Bezug zum Glück.